AG Antirassismus

In unserer Arbeitsgruppe wollen wir uns mit den Auswirkungen von strukturellem, institutionalisiertem sowie persönlichem Rassismus in der medizinischen Lehre, Forschung und im klinischen Alltag auseinandersetzen. 

Aktuell beschäftigen wir uns vermehrt mit rassistischen Inhalten in der Lehre. Dabei geht es zum Einen um mittlerweile recht bekannte Alltagsrassismen und ein Sensibilisieren für diese. Zum Anderen beschäftigen wir uns auch mit sogenanntem „Hidden Curriculum“, das heißt Lehrinhalte, welche verdeckt zur Reproduktion von Rassismus beitragen. Ein Beispiel dafür ist das sogenannte „Correcting for race“, also das Anpassen von klinischen Scores und diagnostischen Tools an Hand einer fremdzugeschriebenen Einteilung in race-Kriterien.

Wenn Du Interesse hast mitzumachen, dann melde Dich doch einfach per Mail an antira@kritischemedizinmuenchen.de

Was bedeutet Rassismus überhaupt?

Es gibt eine Vielfalt an Definitionen des Begriffs „Rassismus“. Und da es eine Form der Diskriminierung ist, spielt die persönliche und subjektive Wahrnehmung der Betroffenen eine entscheidene Rolle in dessen Definition. Wir als Gruppe möchten daher eine Auswahl an verschiedenen Definitionen vorstellen. So sagt der Soziologe Albert Memmi:

Der Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver biologischer Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen.

So bildet Rassismus immer gesellschaftliche Machtverhältnisse ab. Die Amadeu Antonio Stiftung setzt darüber hinaus Rassismus in einen historischen Kontext: 

Rassismus ist eine Ideologie der Unterdrückung und wurde im Zuge des Kolonialismus und Versklavungshandels hervorgebracht. Er fusst auf einer »Rangordnung« von Menschen, die von biologischen und/oder von Kulturalisierung informierten »Kriterien« unterlegt ist. Rassistische Argumentationen dienen dazu, Machtverhältnisse zu legitimieren. Sie sichern Privilegien der Weissen deutschen Mehrheitsgesellschaft.

Die Europäischen Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) unterscheidet dabei zwei Formen des Rassismus. 

«Direkte Rassendiskriminierung» bedeutet jede unterschiedliche Behandlung aufgrund von Rasse, Hautfarbe, Sprache, Religion, Staatsangehörigkeit oder nationaler oder ethnischer Herkunft ohne sachliche und vernünftige Gründe. Eine unterschiedliche Behandlung ist nichtsachlich und vernünftig begründet, wenn sie kein legitimes Ziel verfolgt oder die Verhältnismässigkeit der angewandten Mittel in Bezug auf das verfolgte Ziel unangemessen ist.

«Indirekte Rassendiskriminierung» liegt in Fällen vor, in denen ein scheinbar neutraler Faktor wie eine Regelung, ein Kriterium oder ein Verfahren von Personen, die einer Gruppe angehören, die durch Rasse, Hautfarbe, Sprache, Religion, Staatsangehörigkeit oder nationale oder ethnische Herkunft gekennzeichnet ist, nicht einfach erfüllt werden kann oder sie benachteiligt, es sei denn, dieser Faktor ist sachlich und vernünftig begründet. Dies wäre der Fall, wenn ein legitimes Ziel verfolgt wird und wenn die Verhältnismässigkeit der angewandten Mittel in Bezug auf das verfolgte Ziel angemessen ist.

Was bedeutet nun Rassismus in der Medizin?

Über Rassismus in der Medizin

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