Über COVID-19 und die Wissenschaft

In der folgenden Rubrik wollen wir uns mit verschiedenen gesundheits- und gesellschaftspolitischen Aspekten der COVID-19-Erkrankung auseinandersetzen. Zentral dabei ist für uns eine möglichst wissenschaftlich fundierte und differenzierte Arbeitsweise, wobei wir selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben können. Vielmehr wollen wir durch gemeinsame Recherche verschiedene Perspektiven darstellen und eine möglichst tiefgreifende Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglichen. 

 

Ein Projekt von Carl Christian-Schäfer, Julius Mutschler, Julius Poppel, Helene Schricker, Anna Schmideder, Lorena Wanger

Für alle von uns hat sich der Alltag, die Ausbildung, das Berufsleben und unsere Freizeit seit einem Jahr sehr stark verändert. Eine Viruserkrankung hält die Welt in Atem, verbindet und spaltet. Anfängliche Bewegungen von Solidarität und Zusammenhalt bröckeln unter Frust und einem Gefühl der Ohnmacht. Hinzu kommen in Deutschland vermehrte Fehler auf Bundes- und Landesebene: die Impfverteilung läuft nur sehr schleppend und es kommt immer wieder zu organisatorischen und logistischen Problemen. Im internationalen Vergleich befindet sich Deutschland in der Impfrangliste auf Platz 32 (Stand 26.02.2021). Klare Konzepte zur Lockerung der Lockdown- und Quarantänemaßnahmen fehlen weiterhin, eine bundesweite Teststrategie scheitert unter anderem an Landes- und Kommunalentscheidungen. Darüber hinaus verschlechtert sich die Situation vieler Kinder und Jugendliche zunehmend, insbesondere aufgrund fehlender digitaler Homeschooling-Konzepte. Mangelhaft ist weiterhin die Ausstattung vieler Schulen. So zeigte zum Beispiel die zweite Befragung des Schulbarometers im Dezember 2020, dass 61 Prozent der befragten Lehrkräfte ihre Schule weniger gut oder gar schlecht auf den Fernunterricht vorbereitet einschätzen. Im April 2020 waren es mit 66 Prozent nur unwesentlich mehr. Ganz geschweige dessen, dass der Zugang zu digitalen Endgeräten für viele Familien gar nicht erst möglich ist. So kritisierte beispielsweise Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Anfang 2021, dass für Homeschooling, Quarantäne und auch für den Unterricht im Wechselmodell weiterhin entsprechende Ausstattung benötigt werde. Die Situation für in Armut lebende Schülerinnen und Schüler sei dramatisch. 

 

Ingesamt verschärft die Covid-Pandemie die Ungleichheit zwischen Reich und Arm – auf lokaler wie globaler Ebene. So bezeichnet Oxfam das Virus als „das Ungleichheits-Virus“ in ihrem jährlichem Bericht. Laut einer großen Studie von Oxfam, sei nämlich das Vermögen der im Dezember 2020 zehn reichsten Männer der Welt seit Februar 2019 trotz der Pandemie um fast eine halbe Billion US-Dollar auf 1,12 Billionen US-Dollar gestiegen. Dieser Gewinn sei mehr als ausreichend, um die gesamte Weltbevölkerung gegen COVID-19 zu impfen und sicherzustellen, dass niemand durch die Pandemie verarmt. Darüber hinaus warnt Oxfam und vor der schlimmsten Jobkrise seit über 90 Jahren, wodurch Hunderte Millionen Menschen ihr Einkommen oder ihre Arbeit verloren haben. 

Die Unzufriedenheit in Deutschland mit verschiedenen Maßnahmen der Bundesregierung wächst, so stimmten im Sommer 2020 noch 88% der Befragten zu, dass die deustche Bundesregierung bisher eine gute Arbeit im Krisenmanagment geleistet habe. In einer ähnlichen Umfrage Anfang 2021 waren nun mehr als 50% der Befragten weniger oder gar nich zufrieden mit der deutschen Regierungsarbeit. Es bleiben viele offene Fragen. Auch die Entwicklung der sogenannten „Querdenken-Bewegung“, welche sich offen gegen die öffentlichen Maßnahmen zur Infektionseindämmung positionieren ist besorgniserregend. Denn es werden immer mehr Beziehungen dieser Bewegung zur rechten Szene öffentlich.

Hierbei wird immer wieder ersichtlich, wie anfällig große Teile der Gesellschaft für Desinformationen sind. Menschen mit vermeintlichem Expert:innenstand  setzen sich über wissenschaftliche Evidenz hinweg und instrumentalisieren „alternative Fakten“ für eine persönliche und politische Agenda. Umso wichtiger ist daher eine wissenschaftlich fundierte öffentliche Kommunikation. In dieser Rubrik bearbeiten wir daher verschiedene Aspekte der Covid-Pandemie. Dabei versuchen wir die Auswirkungen der bereits vorhandenen Systemstrukturen sowie der sich aktuell ändernden Verhältnisse auf Krankheit und Gesundheit zu analysieren. 

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