Diagnostik und Infektionsschutz

Zur Eindämmung der Verbreitung einer so virulenten Atemwegserkrankung wie COVID-19 stehen uns verschiedene Infektionsschutzmaßnahmen zur Verfügung. Neben individuellen Präventionsmaßnahmen werden können auch öffentliche Maßnahmen wie breitaufgestellte Teststrategien, Kontakt-, Ausgangs- oder Versammlungsbeschränkungen wie auch umfassende Schließungsregeln eingesetzt werden. Die ständig neuen Beschlüsse zu Beschränkungen oder Lockerungen zeigen, wie schwer öffentliche Entscheidungen für Politiker:innen sind. Dass gezielte Schließungs- oder Abstandsregeln weiterhin ausbleiben, liegt unter anderem daran, dass bis dato noch keine verlässlichen Daten zu den häufigsten Orten einer Infektionsübertragung vorliegen. Denn gerade bei hohen Meldedaten ist es in Deutschland immer noch nicht möglich eine adäquate Rückverfolgung von Infektionsketten zu gewährleisten.


Seit der ersten Zulassung einer Impfung gegen COVID-19 Ende 2020 ist nun ein weiterer wichtiger Faktor in einer langfristigen Bewältigung der Pandemie gegeben. Dennoch ergeben sich immer wieder Probleme und Unsicherheiten wie die schleppend anlaufende Impfstoffverteilung in Deutschland, eine zunehmende Impfskepsis sowie der global ungleiche Zugang zum Impfstoff. Ein flächendeckender und ausreichender Impfschutz der Bevölkerung könnte ein zentraler Bestandteil der Pandemiebewältigung sein. Diese sogenannte „Herdenimmunität“ muss jedoch global verstanden werden, da in einer globalisierten Welt Infektionsübertragungen nicht an Landesgrenzen halt machen. 


Eine entscheidende Rolle im Erfolg der Pandemiebekämpfung spielt letztendlich jedoch die gesellschaftliche Akzeptanz verschiedener Maßnahmen, sowie die allgemeine Gesundheitskompetenz und ein Bewusstsein über individuelles Risikoverhalten. So steht und fällt der Erfolg aller vorgeschlagener Maßnahmen mit individuellen Entscheidungen: Die Covid-Pandemie stellt eine erhebliche Belastungsprobe für Solidarität dar. Während sich individuelles Risikoverhalten für einen Teil der Gesellschaft als tatsächliche Entscheidung gestaltet, sind viele Menschen auch gezwungen in Verhältnissen zu leben und zu arbeiten, die kein Einhalten persönlicher Schutzmaßnahmen, wie etwa die AHA-Regeln, zulässt. Die bereits bestehende Schere zwischen Reichtum und Armut wird durch die Covid-Pandemie nochmals vergrößert. Unterschiede im Zugang zu gesundheitlichem und sozialem Schutz machen sich besonders in dieser Krise bemerkbar und führen zu einer gesellschaftlichen  Spaltung. Es müssen entsprechende Sozialmaßnahmen und Unterstützungsangebote etabaliert werden, die schwerbetroffene Personen und Familien erreichen, sodass gesundheitliche wie grundsätzliche Schäden adäquat abgefangen werden können. 

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