Evidenzstufe 1

„Voll meta!“ – Was sind systematische Übersichtsarbeiten?

Das zuverlässige Beantwortung einer Forschungsfrage kann also Jahrzehnte dauern und ergibt sich in Zusammenschau vieler qualitativ hochwertiger Studien. In sogenannten systematischen Übersichtsarbeiten werden von Expert:innen der Medizin, Epidemiologie, Statistik und Recherche Studien zusammengeführt, analysiert  und bewertet. Wie dieser Prozess in etwa aussieht, möchten wir im folgenden skizzieren. Zur Durchführung einer Metaanalyse wird zuerst eine Forschungsfrage ausgewählt. Diese wird anhand des PICO-Schemas (Population, Intervention, Control, Outcome) gestellt und daran anschließend geeignete Studientypen zur Analyse festgelegt. Nach einer umfassenden Recherche können nun Studien anhand definierter Einschlusskriterien ausgewählt werden. Es folgt eine Analyse und Qualitätsbewertung der ausgewählten Studien und das Ergebnis dieser Auswertung wird zum sogenannte Peer-Review freigegeben. Dabei bewerten unabhängige Gutachter:innen aus dem gleichen Fachgebiet das Studiendesign, die Methodik und die Ergebnisse der vorgeschlagenen Veröffentlichung. Oft werden diese Reviews von den Herausgebenden eines wissenschaftlichen Journals durchgeführt, in dem die Studie letztendlich veröffentlicht werden soll. Der größte Herausgeberin systematischer Übersichtsarbeiten in der Medizin ist die Cochrane Collaboration. Nach der Veröffentlichung einer Metaanalyse sollte weiterhin eine regelmäßige Aktualisierung und Anpassung der Ergebnisse stattfinden.

Doch auch die Aussagekraft systematischer Übersichtsarbeiten wird durch Fehlerquellen gefährdet [1]. Als Publikationsbias wird eine verzerrte  Datenlage in wissenschaftlichen Zeitschriften bezeichnet, die dadurch entsteht das negative und nicht-signifikante Ergebnisse selten oder nie veröffentlicht werden. Dieser Effekt kommt insbesondere bei durch die Pharmaindustrie finanzierte Studien zum Tragen. Untersuchungen zeigen, dass circa die Hälfe der durch pharmazeutische Unternehmen finanzierte Studien nicht publiziert werden –  insbesondere Daten zu unerwünschten Arzneinebenwirkungen werden häufig zurückgehalten [2]. Für die Sicherheit der Patient:innen müssten Beteiligte Verantwortung zeigen und konsequent auch die Daten zur Unwirksamkeit und Nebenwirkungen von Medikamenten veröffentlichen. Alternativ müsste eine Sicherheit und Wirksamkeit von Medikamenten und Medizinprodukten durch mehr staatlich finanzierte Studien sichergestellt werden. 

Literaturverzeichnis

[1] AWMF, Cochrane Deutschland: Bewertung des Verzerrungsrisikos von systematischen Übersichtsarbeiten: ein Manual für die Leitlinienerstellung. 2017. https://www.cochrane.de/sites/cochrane.de/files/public/uploads/manual_bewertung_sr_fuer_ll.pdf

[2] Gisela Schott et al.: Publikationsbias in Abhängigkeit von der Art der Finanzierung bei klinischen Studien. Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen. 2010. Volume 104, Issue 4, S.314-322. [DOI:https://doi.org/10.1016/j.zefq.2010.03.029]

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