In der Arbeitsgruppe „Konsum und Sucht“ beschäftigen wir uns mit der deutschen und insbesondere bayerischen Drogenpolitik, der Abbildung des facettenreichen Themas „Sucht“ im Medizinstudium und mit der Aufklärung der Öffentlichkeit. Zudem engagieren wir uns auf lokaler Ebene für Suchterkrankte und solidarisieren uns auf Augenhöhe.

Dabei möchten wir einiges verändern! Wir beschäftigen uns mit dem Freizeitkonsum von so genannten „Partydrogen“, bis hin zu dem Konsum von stark abhängig machenden Substanzen, der sich in allen gesellschaftlichen Schichten findet. Konkret kritisieren wir die aktuelle Politik, die Drogen und somit auch ihre Gebraucher*innen stigmatisiert. Sucht ist eine ernstzunehmende Krankheit, der durch Kriminalisierung nicht adäquat begegnet wird. Wir möchten deshalb in der Bevölkerung hierfür ein grundlegendes Bewusstsein schaffen, den richtigen Umgang mit Konsument*innen aufzeigen und für ihre Probleme und die entstehende gesamtgesellschaftliche Relevanz werben. Unser langfristiges Ziel ist die Etablierung von Konsumräumen in bayerischen Städten, wie es sie schon in mehreren anderen Bundesländern gibt.

Um unsere Ziele umzusetzen, haben wir Kontakt zu vielen Münchner Instanzen in der Suchthilfe und Politik aufgenommen. Hier wirken wir bei Projekten mit, helfen bei Veranstaltungen und erweitern stets unsere Reichweite. Um auch an der Universität etwas zu verändern, stehen wir in Kontakt mit Ärzt*innen der Suchtmedizin und Verantwortlichen der Lehre. Es ist seit längerer Zeit zu beobachten, dass immer weniger Absolvent*innen ihre Arbeit in der Suchtmedizin aufnehmen. Gemeinsam wollen wir diesem Trend etwas entgegensetzen und der Suchtmedizin schon im Studium eine größere Beachtung schenken.

safeuse@kritischemedizinmuenchen.de

In unserer Arbeitsgruppe beschäftigen wir uns mit verschiedenen Aspekten der sexuellen Selbstbestimmung und reproduktiven Gerechtigkeit.

Im Fokus liegt zurzeit vor allem das Menschenrecht auf Abtreibung, das in Deutschland durch den §218 StGB begrenzt wird. Nicht nur gesamtgesellschaftlich, sondern auch in der medizinischen Lehre und Ausbildung ist Schwangerschaftsabbruch ein Tabuthema, nicht zuletzt aufgrund der Kriminalisierung durchführender Ärzt*innen auf Basis des §219a StGB.

Wir fordern Entstigmatisierung von Abtreibung und Aufnahme der medizinischen Aspekte des Schwangerschaftsabbruchs in das Curriculum der Münchner Universitäten. Außerdem verlangen wir einen niedrigschwelligen und flächendeckenden Zugang zur Schwangerschaftsabbrüchen.

Deshalb möchten wir eine vielseitigere, nicht-stigmatisierende Aufklärungsarbeit ermöglichen und leisten, sowie mit Workshops und Projekten aktiv werden. Dazu stehen wir lokal und bundesweit im Austausch mit Aktivist*innen, engagierten Ärzt*innen und Student*innen.

sexuelle-selbstbestimmung@kritischemedizinmuenchen.de

Als Arbeitsgruppe „Mental Health“ beschäftigen wir uns mit psychischen Erkrankungen im Medizinstudium und in der Zeit als Assistenzärzt*in. Dabei geht es uns um ihre Entstigmatisierung, um Prävention, um Aufklärung und um ihre Anerkennung als systembedingtes Problem.

Einerseits wollen wir ein Bewusstsein für mögliche Stressfaktoren in den Gesundheitsberufen generell schaffen und deren Ursachen systemkritisch in den Blick nehmen, um sowohl einen offenen Dialog darüber anzuregen, als auch ein Verständnis dafür zu schaffen, wie sich psychosoziale Stresssituationen speziell im Medizinstudium und im Berufsalltag ausnehmen und wo sie herkommen könnten.
Andererseits geht es uns auch dezidiert um psychische Gesundheit und um konkrete Hilfsangebote. Außerdem wollen wir erreichen, dass diese Thematik im Sinne einer adäquaten Ausbildung zur Ärzt*in sowie in einem präventiven Sinne fest in der Lehre verankert wird.

Im Rahmen dessen beschäftigen wir uns eingehend mit psychosozialen Hilfsangeboten für Medizinstudierende sowie für Assistenzärzt*innen und erstellen eine umfassende Übersicht, die möglichst alle Studierenden erreichen soll. Dadurch hoffen wir, Studierende, die sich mit psychischen Belastungen konfrontiert sehen, ein Stück weit aufzufangen.

Außerdem versuchen wir durch Öffentlichkeitsarbeit und vor allem durch transparente und offene Kommunikation von Stressoren eine Entstigmatisierung und Anerkennung von psychischen Erkrankungen zu erreichen. Dabei geben wir durch Implementierung von Intervisionen, also offenen Gesprächsrunden, in Studium und Berufsalltag auch Anregungen zur Selbstreflexion im Umgang mit Stress, psychischen Erkrankungen und psychisch erkrankten Menschen.

mentalhealth@kritischemedizinmuenchen.de

Als Arbeitsgruppe setzen wir uns kritisch mit der Ökonomisierung des Gesundheitssystems, der Privatisierung von Krankenhäusern und dem Fallpauschalensystem (DRG) auseinander. In unseren Augen zeigen sich an vielen Stellen im Gesundheitswesen Profitorientierung, worunter nicht nur Patient*innen, sondern alle im Gesundheitssystem tätigen Menschen leiden. Wir fordern daher, dass mit Gesundheit kein Profit gemacht werden darf. Stattdessen treten wir für eine angemessene und bedarfsgerechte Patient*innenversorgung ein und fordern die Abschaffung des DRG-Systems sowie eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Bezahlung der arbeitenden Menschen im Gesundheitssektor, insbesondere der Pflege.

Dies möchten wir durch Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung aber auch durch aktive Teilnahme am gesundheitspolitischen Arbeitsprozess erreichen. Dazu stehen wir in Kontakt mit verschiedenen gesundheitspolitischen Akteur*innen auf lokaler und bundesweiter Ebene.

Für uns ist Gesundheit keine Ware, sondern ein Menschenrecht! 

Die Arbeitsgruppe Antirassismus beschäftigt sich mit den Dimensionen des strukturellen Rassismus im deutschen Gesundheitssystem sowie der universitären Lehre und dem Konzept des „white privilege“ im ärztlichen Beruf.

Wir wollen ein Bewusstsein für die Gefahren rassistischer Vorurteile in der Medizin schaffen, aufzeigen, wie sehr unsere Lehre auf die Gesundheitsversorgung der weißen Bevölkerung zugeschnitten ist und dass willkürliche Zuordnungen von Menschen zu einer bestimmten Ethnie in Forschung und Lehre noch immer stattfinden und Betroffene damit in Diagnostik und Therapie benachteiligen, mit mitunter tödlichen Folgen.

Uns ist bewusst, dass unser Weiß-sein bedeutet, Privilegien zu haben die uns uneingeschränkten Zugang zu Gütern, Versorgung und Bildung ermöglichen. Dieses Erkennen der eigenen Situation ist ein wichtiger Schritt der Annäherung an das Problem des Rassismus in allen gesellschaftlichen Ebenen.

Wir setzen uns mit dem Thema der willkürlichen ethnischen Zuordnung von Menschen in der medizinischen Forschung auseinander, die sich in vielen heutigen diagnostischen tools in Form eines „correcting for race“ oder auch „racial correction factor“ niederschlägt und deren tatsächlicher Nutzen für die Betroffenen in Wissenschaft und Forschung sehr umstritten ist. Neben der Schaffung eines Bewusstseins für das Thema, fordern wir außerdem eine Überprüfung der medizinischen Lehre auf rassistische Inhalte.

Nicht nur, dass unsere Diagnostik auf ein weißes Patient*innenklientel ausgelegt ist und damit nicht den tatsächlichen Bevölkerungsquerschnitt abbildet, in vielen Studien wurde außerdem belegt, dass nicht-weiße Menschen bei gleichen Krankheitsbildern oft eine inadäquate Behandlung erhalten, aufgrund falscher, auf „Rassezugehörigkeit“ basierender Annahmen.
Beispiele hier sind die Chronifizierung von Schmerzen durch unzureichende Therapie oder die erhöhte Sterblichkeit für „schwarze“ Frauen in den USA bei Herzinfarkten, die häufig übersehen und nur halb so oft behandelt werden wie in der weißen Vergleichsgruppe.

Neben all diesen institutionalisierten Problemen ist die alltägliche Erfahrung von Diskriminierung ein häufiger Auslöser psychischer und physischer Erkrankungen durch permanent erhöhte Stresslevel und strukturell beförderte Armut.

Die Studien, auf die wir uns im Essay „Über Rassismus in der Medizin“ berufen, stammen hauptsächlich aus dem Angloamerikanischen Raum – in Deutschland ist die Datenlage zu Rassismuserfahrungen noch zu ungenügend, um das Thema tiefer zu erforschen und daraus konkrete Handlungsvorschläge abzuleiten.
Dieser Mangel an Daten muss durch Forschung an unseren Unikliniken behoben werden, um jedem Menschen eine angemessene Behandlung zukommen zulassen.

antira@kritischemedizinmuenchen.de