Drogentotengedenktag am 21.07.2020

1398. Mindestens so viele Menschen starben im Jahr 2019 an den Folgen des Konsums illegaler Substanzen. Zu viel, so finden wir. Der Arbeitskreis Konsum und Sucht hat den internationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen am 21. Juli zum Anlass genommen, die drogenpolitische Situation in Bayern/München und dabei die Arbeit in Münchner Kontaktläden und weiteren konsumbezogenen Institutionen vorzustellen.

Olaf Ostermann, Sozialarbeiter und Einrichtungsleiter des Kontaktladen Limit (Condrops e.V.)

Zuerst führten wir eine offene Umfrage auf Instagram durch. Vor allem wollten wir hierbei den Teilnehmer:innen die Relevanz des Themas vor Augen führen. So hat die Mehrheit selbst schon mindestens einmal eine illegale Substanz konsumiert. 92% fanden die deutsche Drogenpolitik problematisch und 65% gaben an, mindestens eine drogenabhängige Person persönlich zu kennen.

 

Folgend widmeten wir uns mit Olaf Ostermann, Sozialarbeiter und Einrichtungsleiter des Kontaktladen Limit (Condrops e.V.), der deutschen Drogenpolitik. Olaf setzt sich seit Jahren für eine Verbesserung der politischen Situation hier in Bayern ein. Er stellte uns vor allem die Arbeit im Kontaktladen und die lokale Drogenpolitik vor. Olaf konnte dabei auch erschreckende Einblicke über den Einfluss des Corona-Virus auf das Leben der Konsument:innen geben. Als Mittelpunkt unseres digitalen Programmes begleiteten wir den Drogentotengedenktag in München live. Hinter den Kulissen waren wir bei der Planung, beim Aufbau und Abbau beteiligt. Die Veranstaltung hat dieses Jahr (trotz der Kontaktbeschränkungen und Sommerhitze) deutlich mehr Zuspruch und mediale Aufmerksamkeit bekommen als die Jahre zuvor. Auch Verena Dietl, die dritte Bürgermeisterin Münchens, hat in ihrer Rede die Relevanz des Themas pointiert und die Unterstützung der Stadt zugesichert. Die Umfrage, das Interview und die Begleitung des DTGT findet Ihr in unseren Story-Highlights auf Instagram.

 

Zum Abschluss präsentierten wir noch zwei, für uns sehr wichtige Projekte. Zum einen wäre da MindZone, eine 1996 entstandene Initiative junger Leute, die sich seither mit Substanzkonsum im Nachtleben beschäftigen. Die Mitarbeiter*innen und ein Pool an Ehrenamtlichen leisten Aufklärung zum Thema Drogen und Sucht mittels diverser Aktionen, Online-Informationen und -Beratung, aber auch direkt vor Ort in Clubs oder auf Festivals. Ziel ist es, Drogengebraucher*innen vor unnötigen Risiken durch „falschen“ Konsum zu schützen und die Grundlage für einen verantwortungsvollen und offenen Umgang mit Suchtmitteln zu schaffen. 


Auch der Initiative #mybrainmychoice, gegründet von Philine Erbauer und Julia Meisner, wollten wir Bühne bieten. Die beiden fördern die öffentliche Diskussion zu Themen rund um den Konsum und eine wünschenswerte Drogenpolitik. Hierfür liefern sie auf Ihrer Website und Social Media immer wieder neue wissenschaftliche Informationen und Stimmen zum Thema, sind darüber hinaus aber auch als Rednerinnen auf Veranstaltungen aktiv.Um auch die Politik zum Handeln zu bewegen, starteten Philine und Julia am 1.6.20 eine Petition für eine neue Drogenpolitik unter dem Hashtag#mybrainmypetition. Die konkrete Forderung hierbei ist ein Konzept für eine zeitgemäße, wissenschaftsbasierte Drogenpolitik zu erarbeiten, welches anschließend umgesetzt wird.Hier sind wir übrigens auch als Erstunterzeichner*innen dabei! Hier geht es zur Petition.

 

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