In regelmäßigen Abständen bieten wir einen kostenlosen medizihistorischen Stadtrudgang an.

„Es gibt wohl keinen Beruf, der für Größe und Zukunft der Nation so bedeutungsvoll ist wie der ärztliche. (…) Aber keiner ist auch so verjudet wie er und so hoffnungslos in volksfremdes Denken hineingezogen worden.“


So lautet bereits im März 1933 der Aufruf des Deutschen Ärztebundes im Völkischen Beobachter. Einzelne Taten und Täter der Nazimediziner – Josef Mengele und co. – bleiben zwar durch Hollywood und Videospiele in kollektiver Erinnerung, aber wie systematisch das nationalsozialistische Regime von Medizinern profitierte und umgekehrt, wird wenig thematisiert. So fehlen beispielsweise auf den allermeisten Internetseiten der Münchner Kliniken und universitätsmedizinischen Institute jegliche Erwähnung der Jahre zwischen 1933 und 1945. Doch allesamt haben eine belastete und dunkle Vergangenheit: 


Die deutsche Ärzteschaft war, weit mehr als andere akademische Berufe, NS-verbunden. Bereits 1936 gehörten 30 Prozent der NSDAP an. Zahlreiche Beschäftigte des Gesundheitssystems, welche sich eigentlich der Versorgung und Hilfe anderer Menschen verpflichtet hatten, ermöglichten die systematische Verfolgung, Verdrängung und Vernachlässigung der Opfer des NS-Staats. Spezifisch die Beteiligung der Münchner Medizin und Forschung an der pseudowissenschaftlichen Prägung des Rasse-Begriffs, die Erforschung und Durchführung der Euthanasie sowie von abscheulichen Menschenversuchen stellt bis heute eines der dunkelsten Kapitel der Medizingeschichte dar.


Für die Arbeitsgruppe Medizingeschichte der Kritischen Medizin München bedeutet Erinnern Gedenken, und getreu diesem Motto laden wir zu einem medizinhistorischen Stadtrundgang durch das Münchener Klinikviertel ein. Dabei liegt unser Fokus auf der Rolle der Medizin im Nationalsozialismus. Wir wollen insbesondere den Opfern eine Stimme geben und dabei einen kritischen Blick auf die Kontinuitäten von Rassismus und Stigmatisierung im heutigen Gesundheitswesen werfen.

Kritische Medizin München © 2022

0
Would love your thoughts, please comment.x