Was bedeutet Diskriminierung?

Diskriminierung bezeichnet eine Benachteiligung oder Herabwürdigung von Gruppen oder einzelnen Personen aufgrund bestimmter Wertvorstellungen oder unreflektierter, zum Teil auch unbewusster Einstellungen, Vorurteile oder emotionaler Assoziationen. Diskriminierung führt zu gesellschaftlicher Benachteiligung [1]. Es gibt viele verschiedene Formen von Diskriminierung. Im Folgenden findest Du eine Auswahl verschiedener Definitionen. Im Großen und Ganzen beziehen wir uns hierbei auf das Glossar der Website aktiv-gegen-diskriminierung.info der ver.di Jugend [2].

Ableismus stammt aus der US-amerikanischen Behindertenbewegung. Der Begriff beschreibt die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen, indem Menschen an bestimmten Fähigkeiten – laufen, sehen, sozial interagieren – gemessen und auf ihre Beeinträchtigung reduziert werden [2].

Der Ausdruck bezeichnet die soziale und wirtschaftliche Benachteiligung von Menschen aufgrund ihres Lebensalters. Den Betroffenen wird es im Falle einer Diskriminierung erschwert, in angemessener Weise am Arbeitsleben und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Das kann jede Altersgruppe betreffen. Werden ältere Arbeitnehmer*innen in den Vorruhestand gedrängt, handelt es sich um einen Fall von Altersdiskriminierung[2].

Die IHRA definiert Antisemitismus wie folgt: „Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort und Tat gegen jüdische oder nicht-jüdische Einzelpersonen und / oder deren Eigentum, sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen und religiöse Einrichtungen. ”

Diese Ergänzungen und Beispiele führt die IHRA an: „Erscheinungsformen von Antisemitismus können sich auch gegen den Staat Israel, der dabei als jüdisches Kollektiv verstanden wird, richten. Allerdings kann Kritik an Israel, die mit der an anderen Ländern vergleichbar ist, nicht als antisemitisch betrachtet werden. Antisemitismus umfasst oft die Anschuldigung, die Juden betrieben eine gegen die Menschheit gerichtete Verschwörung und seien dafür verantwortlich, dass „die Dinge nicht richtig laufen“. Der Antisemitismus manifestiert sich in Wort, Schrift und Bild sowie in anderen Handlungsformen, er benutzt unheilvolle Stereotype und unterstellt negative Charakterzüge [2].

Als Bodyshaming wird die Diskriminierung beziehungsweise Beleidigung von Menschen aufgrund ihres Körpers bezeichnet. Im Englischen meint to shame jemanden beleidigen, beschämen.Wer der idealen Norm, jung, vital, faltenfrei und dünn zu sein, nicht entspricht, wird abgewertet, beleidigt, ausgegrenzt.

Hate speech bezeichnet sprachliche Ausdrucksweisen von Hass mit dem Ziel der Herabsetzung und Verunglimpfung bestimmter Personen oder Personengruppen. Hate Speech ist damit ein Oberbegriff für das Phänomen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit oder Volksverhetzung im Internet und Social-Media-Räumen.

Unter Homofeindlichkeit versteht man die Feindseligkeit gegenüber gleichgeschlechtlichen Liebesbeziehungen, die sich durch Diskriminierung und Gewalt ausdrücken kann [2]. Wir verwenden bewusst nicht den Begriff „Homophobie“, da dieser eine pathologische Krankheitsbeschreibung der diskriminierenden und gewalttätigen Person suggeriert. 

Klassismus ist die Benachteiligung von Menschen aufgrund ihrer vermeintlichen oder tatsächlichen sozialen Herkunft oder ökonomischen Position. Klassismus verhindert die volle gesellschaftliche Partizipation von bestimmten Gruppen [2].

Rassismus ist eine menschenrechtsfeindliche Ideologie der Ungleichtheit, die sowohl strukturell verankert ist, als auch interpersonelle/individuelle Aspekte beinhaltet und genutzt wird, um Menschen auf Grundlage tatsächlicher oder zugeschriebener Merkmale zu gruppieren. Diese Gruppierung beruht auf einer Einteilung in Menschen der eigenen Gruppe und eine Gruppe andersartig wahrgenommener und als “minderwertig” deklarierter Menschen. Rassistisches Handeln und Diskriminierungserfahrungen im Alltag sind Unterdrückungspraktiken, die kontinuierlich und systematisch sind, die bewusst oder unbewusst passieren und die explizit oder implizit sein können. Als Folge dessen erhalten Betroffene eingeschränkten Zugang zu materiellen und nicht-materiellen Ressouren in der Gesellschaft. Zusätzlich zu der sozialen Ungleichheit, die aus Rassismus resultiert, haben Rassismuserfahrungen auch einen direkten Einfluss auf die (psychische) Gesundheit.

Sexismus bezeichnet jede Form der Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres zugeschriebenen Geschlechts. Durch diese Diskriminierungsform werden  Machtverhältnisse hergestellt und aufrecht erhalten. Sexismus bezieht sich auf gesellschaftlich erwartete geschlechtsspezifische Verhaltensmuster (Geschlechterstereotype) und schreibt den vermeintlichen zwei Geschlechtern eine bestimmte Rolle oder Wertigkeit zu. Auch wenn aus soziopsychologischer Perspektive gleichwohl auch cis-Männer von Sexismus betroffen sein können, haben sie aufgrund der vorherrschenden patriachalen Gesellschaftsstrukturen eine privilegierte Position. Deshalb sind primär weiblich gelesene bzw. Flint*- Personen von Sexismus betroffen. Sexismus ist systematisch und institutionell verankert [3].

 

 

* Als Cis werden Menschen bezeichnet, deren Geschlechtsidentität dem Geschlecht entspricht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.

* FLINT* steht für Frauen, Lesben, Inter, non-binary und Trans* Personen.

Transfeindlichkeit bezeichnet die Diskriminierung von trans Menschen. Dies äußert sich z.B. durch Ablehnung, Wut, Intoleranz, Vorurteile,  Unbehagen oder körperliche bzw. psychische Gewalt gegenüber trans Personen oder Menschen, die als trans wahrgenommen werden. Als internalisierte Transfeindlichkeit wird die Feindlichkeit bezeichnet, die gegen die eigene trans Identität und damit gegen sich selbst gerichtet ist. Dies passiert oft in einer transfeindlichen Umgebung und/oder vor dem eigenen inneren Coming out [4].

Literaturverzeichnis

  1. https://www.bpb.de/apuz/221573/diskriminierung-antidiskriminierung-begriffe-und-grundlagen
  2. https://www.aktiv-gegen-diskriminierung.info/argumente/glossar
  3. https://gender-glossar.de/s/item/13-sexismus
  4. https://queer-lexikon.net/2017/06/08/transfeindlichkeit/

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